Emer. Univ.Prof. Dr. Wolfgang Holzner

* 31.8.1942     † 29.10.2014

Wir möchten an dieser Stelle Wolfgang Holzner unsere außerordentliche Anerkennung und unseren herzlichsten Dank aussprechen. Die vielen Facetten seiner Person und seines Wirkens, seine Großzügigkeit, sein Glanz und seine Bescheidenheit können im Augenblick der Betroffenheit und Trauer nicht entsprechend in Worte gefasst werden. Wir wollen hier nur einige Aspekte unseres lieben Kollegen und Freundes, der viele Spuren und eine große Lücke hinterlässt, herausgreifen.

Eine kleine Auswahl an spontanen Reaktionen aus dem Kollegenkreis auf die traurige Nachricht zeigt, dass Wolfgang nicht nur als Wissenschaftler, sondern gerade auch als Mensch sehr geschätzt wurde: er hat den Naturschutz in Österreich geprägt und durch seine ausgleichende und integrative Art auf den richtigen Weg gebracht; er ist für mich immer präsent als großartiger Mensch und Wissenschaftler; seine "Art" musste manchmal vielleicht erst verstanden werden, war aber sicher innovativ und befruchtend, und jedenfalls erfrischend! Er war ein so netter Mensch, der fachlich und menschlich so viel bewegt hat; ein leiser und doch sehr hörbarer und gehörter Kollege; ein bunter Vogel, eine schillernde Persönlichkeit, ein Querdenker!

Wolfgang kam 1967 als Wissenschaftliche Hilfskraft an die BOKU. Daneben arbeitete er an seiner Dissertation über Ackerunkrautgesellschaften im pannonischen Gebiet Österreichs; die Promotion folgte 1970 an der Universität Wien mit der ungewöhnlichen Fächerkombination Botanik und Japanologie und vier Jahre später habilitierte er sich für Ökologie und Soziologie der Pflanzen an der BOKU. Im Internationalen Jahr der Biodiversität 2010 emeritierte er – es war ein anstrengendes Jahr für ihn mit zahlreichen Vorträgen und Diskussionsrunden im Dienste seines Instituts, im Dienste der BOKU; aber natürlich auch im Dienst "der Sache".

Im Jahr 2008 bekam er das Silberne Komturkreuz, das Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich, verliehen und im Juni 2013 erhielt er von der BOKU den Teaching Award für sein Lebenswerk Lehre. Das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien für seine bedeutenden Verdienste um das Land Wien wurde ihm im Herbst 2013 verliehen, er konnte dieses leider nicht persönlich entgegen nehmen.

Wolfgang war ein großartiger Ökologe, Pflanzenkenner und -versteher, er war aber auch Künstler, Philosoph und nicht zuletzt Praktiker. Hervorheben möchten wir seine hartnäckige Art, alle "Dinge", Konzepte und Methoden zu hinterfragen, gegen das "Schubladendenken" anzukämpfen und Probleme von-außen-mit-Abstand zu betrachten. Sein Umgang mit Menschen, egal ob Kollegen, Studierende, Landwirte oder Politiker, war stets respektvoll und wertschätzend. Die Sorgen und Wünsche aller Beteiligten beispielsweise bei Naturschutzprojekten ernst zu nehmen, war ihm immer ein großes Anliegen. Und: Wolfgang hat im wahrsten Sinne des Wortes angepackt, wenn es etwa für den Erhalt der Vielfalt notwendig war.

Sein letztes großes Projekt ist die Ökologische Flora von Niederösterreich; Wolfgang hat bis zuletzt hart daran gearbeitet. Diese Flora ist geprägt durch sein umfassendes Fachwissen, seine kreativen und unkonventionellen Zugänge sowie durch seinen feinen Humor. Den dritten Band konnte er noch in Händen halten; das fertige Manuskript des vierten und letzten Bandes liegt beim Verlag.

Deine Kolleginnen und Kollegen vom INF vermissen dich!